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Marcellus und Carola



4. Kapitel: Sklavenkost


MARCELLUS:
Nach dem hervorragenden Frühstück - Waffeln mit Sahne, Schmalzkuchen, Honigplätzchen, gebackene Eier und kandierte Früchte - ließ ich mich erst einmal wieder ins Bett fallen, um mich auszuruhen. Mein Bauch fühlte sich voll an, und ich dachte an Carola. Noch war etwas übrig vom Frühstück, weil ich nicht alles hatte essen können. Flavia ließ mir durch Nubia immer extra große Portionen servieren in der Hoffnung, ich würde mich selbst mehr mästen. Und obwohl ich nichts dagegen hatte, etwas zuzunehmen - ganz im Gegenteil -, wollte ich einfach das unmäßige Bauchdrücken vermeiden, das manchmal mit den Riesenportionen kam.
Versteht mich nicht falsch. Ein zarter Druck im Bauch ist äußerst befriedigend. Aber um die Portionen zu essen, die meine mollige Schwester Drusilla dem Vernehmen nach verdrückte, hätte es einer Massage bedurft. Nun war aber mein Leibsklave Plinios, so aufmerksam er auch sonst war, ein ganz miserabler und liebloser Masseur. Ich verzichtete auf seine Dienste gerne, und hatte meinen Vater längst gebeten, mir einen besseren Masseur zu kaufen. Die gab es ja. Auf den Orgien mit meinen Freunden hatte ich sie in befreundeten Häusern oft erlebt.
Ich befühlte meinen eigenen Bauch. Fetter war ich in der Tat geworden, meine Mutter hatte recht. Wenn ich mich hinsetzte, ruhte mein Bauch auf meinen Schenkeln, und ganz aufrecht sitzen war schwierig geworden, es sei denn, ich spreizte meine Beine. So wie ich jetzt dalag, wölbte sich mein Bäuchlein hinter meinen Brüsten sanft gen Himmel, und es war schwer geworden, im Liegen die Füße soweit hochzuheben, daß ich sie sehen konnte.
Es würde meinen Ringertrainer Phädrus freuen, daß ich wieder zugenommen hatte. Er würde mir allerdings auch raten, ein bißchen Ausdauer und Muskeln zu trainieren, um meine Masse gut einsetzen zu können, und natürlich hatte er recht. Nicht, daß ich sein Training - Laufen, in die Hocke gehen, springen, Arme drücken - verabscheut hätte; ich bewegte mich schon ganz gern und genoß es, nach dem Training erschöpft auf der Matte zu liegen, während Sklaven mich säuberten, massierten und fütterten. Aber das schönste am Training war eben doch die Zeit danach.
Während ich mir so über den Bauch strich und meinen Speck befühlte, mußte ich wieder an Carola denken. Kreisförmig um den Bauchnabel streichen... das war schön. Wenn sie kommen würde, um abzutragen, würde ich sie bitten, mein Frühstück zu beenden. Sie hätte eigentlich schon hier sein sollen... aber sie war eine neue Sklavin. Die mußte man einlernen. Da mußte man Geduld haben. Geduld würde ich weniger haben mit ihrer Figur. Diese arme Hungerleiderin brauchte Fleisch auf die Knochen, sie tat mir wirklich leid. Sie war hübsch, und wenigstens hatte sie einen drallen Busen und einen drallen Hintern, aber ihr Bäuchlein war noch mickrig. Bestenfalls stand es zwei Handbreit vor. Wie tief mochte wohl ihr Bauchnabel sein? Konnte man eine Haselnuß darin verstecken? Eine wohl schon, höchstens zwei. Mein eigener Bauchnabel faßte acht Haselnüsse. Drusillas angeblich auch, aber sie benutzte kleinere Haselnüsse als ich. Lucilla - das wußte Drusilla - konnte zehn Haselnüsse verstecken. Das war sehr viel, vor allem, weil es bis zur nächsten Nuß immer länger dauerte, wenn man fetter wurde.
Carola mußte mein Frühstück beenden, weil ich sonst Schwierigkeiten mit meiner Mutter bekommen hätte. Und sie brauchte ein paar Bissen mehr als die Sklavenkost. Obwohl unsere Sklaven nun wahrlich nicht hungerten. Es war eben so ein Ausdruck, Sklavenkost...
... ich hörte Schritte nahen. Sie klangen leicht und schnell, es mußte Carola sein. Wurde aber auch Zeit. "Carola?" rief ich. "Komm herein!"
Sie trat ein. Wieder erfreute mich ihr Anblick. Ihr Haar war zurückgesteckt, was ihr Gesicht betonte, dessen volle und sanfte Lippen mir gefielen, ebenso die gleichmäßig geschwungenen Augenbrauen. Sie hatte große Augen und erinnerte mich sanft an eine meiner alten Freundinnen aus Pompeii, Terra. Unter ihrer Toga drängten sich die vollen, erfreulichen Brüste... und in der Tat doch ein Bäuchlein. Vielleicht war sie doch etwas dicker, als ich dachte?
"Du kannst immer reinkommen nach dem Frühstück und abtragen," sagte ich. "Später, gegen Mittag und am Nachmittag wie am Abend solltest Du hinter dem Vorhang nach mir fragen und meine Antwort abwarten. Wenn Du Essen servierst, kannst Du ohne Ankündigung eintreten..." Ich lächelte sie an. "Schön, daß Du endlich da bist. Ich habe schon gewartet..."
Sie errötete.
"Ich brauche deine Hilfe," fuhr ich fort. "Übrigens, wenn du eine Frage zum Haushalt hast, die du eigentlich nicht stellen willst, kannst du mich immer fragen." - Was sagte ich da...? Halt doch die Klappe, sagte ich mir, was erzählst du ihr, das ist doch vollkommen irrelevant und ohne Bedeutung.
"Jedenfalls", räusperte ich mich, "jedenfalls wollte ich dich bitten, in meiner Gegenwart mein Frühstück zu Ende zu essen."
Sie sah erschreckt aus - "Ich weiß, du bist erschreckt. Das brauchst du nicht zu sein. Normalerweise ziemt sich das nicht, daß Sklaven in der Gegenwart ihrer Herrn essen. Aber dieses Frühstück muß gegessen sein, sonst bekomme ich Probleme mit meiner Mutter. Und Nubia wäre beleidigt. Du könntest es wegwerfen, aber das könnte jemand sehen."
Warum war ich nur so gesprächig? "Bitte, setze dich doch", wies ich ihr das Bett an. Sie war sehr bleich und erschreckt, das arme Kind. Ich lachte und stand auf, strich mein Hemd zurecht und sagte: "Du brauchst keine Angst zu haben, bitte..."
Sie lächelte sanft und lief zum Bett, wo sie sich hinsetzte. Ich beobachtete sie genau. Sie hatte in der Tat ein kleines Bäuchlein.
"Carola heißt du, oder?", fragte ich.
"Ja," sagte sie. "Du willst, daß ich das alles esse?"
"Bitte," sagte ich. "Hau rein."
Sie verstand mich nicht.
"Hau rein heißt soviel wie 'stopf dir das alles in den Mund.'"
Sie sah mich fragend an, holte tief Luft, und begann, eine ganze Waffel auf einmal in den Mund zu zwängen. Ich mußte laut lachen.
"Nein, sagte ich, "du kannst dir Zeit lassen! Du mußt nicht schnell essen! Ich meine bloß, daß du alles essen sollst."
"Ja," sagte sie wieder, und versuchte ein Lächeln. Ich lächelte zurück. Offenbar hatte diese Germanin aus den nördlichen Urwäldern in Rom schon etwas Charme gelernt.
"Waffeln und Schmalzkuchen habt ihr sicher nicht in Germanien," sagte ich, während im zum Fenster ging, mehr um etwas zu sagen, als um das wirklich wissen zu wollen. "Ihr in Germanien wißt nicht zu leben. Habt ihr dort gutes Essen? Ich meine, du bist ein bißchen mager... mögt Ihr das denn in Germanien? Oder magst nur du das?"
Ich pausierte, allerdings nicht, um eine Antwort abzuwarten. Sie schien mir etwas antworten zu wollen und suchte nach Worten. Ich schnitt sie ab. "Erzähl mir das ein andermal. Erzähle mir mal, ob ihr dicke Frauen und Männer habt, ob ihr das mögt? Erzähle es Nubia, da kannst du Latein üben, und sie redet gern über solche Sitten und Gebräuche. - Jetzt, wo du römische Sklavin bist, solltest du dich daran gewöhnen, daß wir hier generell dicker sind, weil das schöner ist und man sich dick besser fühlt. 'Laßt dicke Männer um mich sein!', sagte einer unserer alten Helden. Der war aber selbst ziemlich mager. Ach, ihr kennt den ja in Germanien. Das war der fiese Cäsar." Ich lachte. "Du kannst ruhig etwas schneller essen..."
Sie lächelte wieder und sagte leise: "Ja... Ich bin aber sehr, sehr satt..."
Satt? Sie war satt? "Satt wovon?" fragte ich, erwartete aber keine Antwort. "Carola, du solltest dich daran gewöhnen, hier mehr zu essen. Du solltest als römische Küchensklavin schön fett sein. Ich hoffe, du verstehst das. Manche von euch Germaninnen wollen so schlank bleiben - da habe ich schon schlimme Geschichten gehört..."
Sie sah sehr, sehr unglücklich drein. Mitleid überkam mich. "Schau, Carola," lächelte ich sie an, "es wird dir sicher Spaß machen, dick zu sein. Es ist viel schöner und hübscher. Du bist doch viel zu mager. Schau mich an: hier, mein Bauch ist riesig, und schau dir erst meine mollige Schwester an. Da hat man was zum anfassen und wackeln! Das ist alles echt und gemütlich! - Jetzt mach eine Pause und lege dich zurück aufs Bett. Wir Römer kennen da einen Trick, der dir vielleicht neu ist" - ich grinste - "oder vielleicht auch nicht, aber wir massieren unseren Bauch etwas. Danach kannst du wieder etwas essen. Ja, so: kreisförmig."
Wie sie so dalag, hatte sie in der Tat ein Bäuchlein. Unter dem dünnen Stoff ihrer Toga konnte ich ihren Bauchnabel als dunklen Fleck sehen... sanft und elegant strich sie sich den Bauch. Sacht wiegten sich ihre Brüste im Takt ihres Striches...
Ich riß mich aus meinen Gedanken und ging hinüber zum Bett. Hier konnte ich sie zum einen genauer sehen - hübsche Waden hatte sie - , und außerdem wollte ich noch ein Stückchen kandierte Frucht. "Das schmeckt übrigens ausgezeichnet," sagte ich kauend. Dann ging ich wieder zum Fenster und sah hinaus.
Als ich wieder zum Bett blickte, machte sie Anstalten, sich aufzusetzen. Ihr Bauch mußte in der Tat voll sein, denn aufsetzen war nicht einfach. Sie schnaufte in bißchen und hatte rote Fleckchen am Hals. Sie errötete wieder.
"Laß dir Zeit," sagte ich, aber sie schien tapfer sein zu wollen, und begann wieder zu essen...


.... weiter geht es mit Carolas Erzählung!


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