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4. Teil

Dieses Wochenende änderte Anjas Essverhalten erneut. Die riesigen Mengen, die sie an den drei Tagen verdrückt hatte, hatten ihren Magen noch einmal geweitet, und ihr Appetit war entsprechend gestiegen. Die Zeit, wo sie mit zwei Brötchen zum Frühstück zufrieden gewesen war, lag endgültig hinter ihr. Zu den zwei Brötchen kamen meist mindestens drei Waffeln und drei Berliner, und dann dauerte es nicht lange, bis ihr Hunger auf Süßes sich wieder meldete und sie zu den vielen Naschereien griff, die in der WG bereitstanden. Mittags dann eine warme Mahlzeit an der Uni, ein paar Riegel, eine Currywurst mit Pommes am Imbiss, eine Brezel auf dem Weg zur Bushaltestelle, dann wieder Kuchen, und abends zwei, oft drei Portionen von Barbaras üppigen Mahlzeiten.
Sabine beobachtete diese Entwicklung recht besorgt. Anja schien richtiggehend fressgierig geworden zu sein und sich unablässig vollzustopfen, und das zeigte schnell Wirkung. Jetzt wurde Anja richtig fett. Eines Abends, als Sabine spät nach Hause kam, traf sie Anja allein in der Küche an, wo sie sich über einen Teller mit Sahnenudeln hermachte.
"Sag mal", begann Sabine vorsichtig, "meinst du nicht, du solltest ein bisschen auf dein Gewicht achten?" Anja sah sie nicht an, sondern schob sich einen besonders großen Löffel Nudeln in den Mund. "Ich meine, es ist jetzt fast Mitternacht, und du hast doch sicher vorhin schon reichlich gegessen, oder?"
"Na und?" Anja klang patzig. "Ich habe eben noch Hunger." Sie kratzte die Soße zusammen. "Und ich mach mir noch eine Portion." fügte sie trotzig hinzu.
"Ach komm, Anja, ich wette, dein Magen ist randvoll."
"Ich habe Hunger", wiederholte Anja, obwohl das nicht ganz stimmte. Aber ein seltsamer Impuls brachte sie dazu, Sabine unbedingt beweisen zu wollen, dass sie sich von ihren Vorwürfen nicht beeindrucken ließ. Aus einer großen Schüssel füllte sie sich den Teller randvoll und schob ihn in die Mikrowelle. Dabei schien es ihr, dass Sabines Blick auf ihrem vorquellenden Wanst ruhte, dessen schwabbelnde Fettschicht einen in der Tat schon prallen Magen umhüllte. Ihre Sachen passten ihr kaum noch.
"Du musst wissen, was du tust", sagte Sabine. "Wenn du meinst, dass Susannes Fresssucht und ihr fetter Bauch so nachahmenswert sind, dann friss meinetwegen, bis du platzt. Am besten lässt du dir ihre abgelegten Klamotten geben und mästest dich solange, bis du reinpasst."
"Du bist gemein", sagte Anja jetzt und sah ein bisschen aus, als wollte sie gleich losheulen. Sabine trat neben sie und legte ihr den Arm um die Schultern.
"Tut mir leid, ich hab's nicht so gemeint. In dieser WG werden wir alle zu fett, das ist doch bei mir auch nicht anders. Ich habe schon wieder mehr angesetzt. Das ist ja nicht deine Schuld, die anderen verführen dich ja auch dauernd zum fressen. Ich habe das zu erst gar nicht bemerkt, als ich hier einzog. Aber wie gesagt ... ich habe hier jetzt 25 Kilo zugenommen. Dauernd habe ich gefressen, rund um die Uhr. Genau wie du. Aber ich will nicht so fett werden wie Gaby und irgendwann bei jeder Treppe schnaufen wie ein Mastschwein.“
„Willst du eine Diät machen?“ fragte Anja, aber in ihrem Kopf tauchte eine Vision auf: Sabine, um noch einen Zentner schwerer, wuchtete enorme Speckmassen die Treppe hoch, wobei ihr Bauch wogte und wabbelte. Eine erregende Vorstellung.
„Ja, das auch. Aber nicht hier, denn das schaffe ich nicht. Barbara würde jeden Diätversuch hintertreiben. Ich zieh aus.“
„Du spinnst doch“, sagte Anja, die jetzt wieder zu essen begann. „Dass wir ein bisschen mehr essen, ist doch nicht Barbaras Schuld. Ich habe eben einfach Hunger, und dir wird's wohl genauso gehen.“ Sie kaute mit vollen Backen. "Oder ist sie vielleicht hier irgendwo und hat mich überredet?" fragte sie triumphierend, wobei sie leicht schnaufte. Ihr Magen war schon recht voll, und es kostete sie Mühe, die großen Löffel hinunterzuschlucken. Aber dann spürte sie langsam das Gefühl, das sie seit kurzem so sehr liebte: Der übervoll gestopfte Magen dehnte sich wie ein prall gefüllter Sack, um die Kalorienbomben zu umfangen, und nahm ihr ein wenig die Luft. Noch ein Löffel, und noch einer. Fast tat es ein wenig weh, die Spannung und der Druck, das enorme Völlegefühl. Jetzt eine gute Massage und ein Schläfchen.
"Du musst es ja wissen", sagte Sabine noch einmal. "Ich will dir doch nur einen guten Rat geben, weil ich weiß, wie das ist und wie diese Lust am Fressen anfängt. Irgendwann kannst du nicht mehr aufhören. Wenn du Lust hast, können wir ja zusammen irgendwo eine Wohnung suchen. Aber ich weiß, wenn ich hier bleibe, wiege ich irgendwann drei Zentner."
"Na und?" fragte Anja. "So viel hat Susanne doch auch bald. Ist das so schlimm?"
Aber jetzt schüttelte Sabine den Kopf. "Dich haben sie ja schon komplett umgedreht", seufzte sie. "Guck dich doch mal an! Sobald du zu Hause bist, lässt du die Hosen offen stehen, weil sie dir schon zu eng sind, und dein Hintern ist mittlerweile riesig. Die Cellulite sieht man durch die Leggins hindurch, so schwabblig sind deine Schenkel. Du musst unbedingt was für deinen Körper tun."
Anja war inzwischen so vollgefressen, dass sie das kaum noch hörte. Ihr voller Bauch drückte und ließ sie immer mehr japsen, wobei sie trotzdem immer noch einen Löffel Nudeln mit der fettigen, sahnigen Käsesauce nach dem anderen hineinstopfte. Sie zog das T-Shirt hoch, um dem dicken Wanst mehr Platz zu schaffen, und zeigte Sabine dabei, dass die schnelle Gewichtszunahme noch mehr Dehnungsstreifen verursacht hatte. Sabine stand auf. "Dir ist nicht zu helfen. Na, irgendwann merkst du wahrscheinlich auch, was los ist." Sie zog die Tür hinter sich zu. Anja begann nun, ihren vorstehenden Bauch zu massieren. Das tat gut. So überfressen hatte sie sich noch nie, noch nicht einmal an dem Wochenende, dachte sie. Ihr war angenehm schwindlig, und sie mochte es, wie sich das Fett bewegte, das sie sich mittlerweile angegessen hatte. Aber Sabines Vorwürfe hatten doch ein seltsames Gefühl in ihr hinterlassen.

Am nächsten Morgen erwachte sie mit dem seltsamen Brennen im Magen, das sie öfter morgens spürte, wenn sie sich am Abend vorher so richtig vollgestopft hatte. Der Druck, den sie beim Einschlafen gefühlt hatte, war verschwunden, und hatte eine große Leere hinterlassen, ein enormes Hungergefühl. Sie sehnte sich nach ein paar warmen Rosinenbrötchen, Waffeln, oder besser noch, den Pfannkuchen, die Barbara letztens immer briet. Träge räkelte sie sich und strich mit der Hand über ihren Bauch. Besonders flach war er nie gewesen, aber jetzt fühlte sie selbst im Liegen, dass sich unter ihren Brüsten eine recht pralle Rolle erhob, die dann zum Nabel hin wieder ein wenig abfiel, um dann noch steiler anzusteigen. Sie umschloss den dicken Speckring ihres Unterleibs mit der Hand, und es kam ihr vor, als sei dieses Polster durch die Fressorgie vom gestrigen Abend schon gewachsen. Sie musste aufhören, sich so zu überfressen, dachte sie, während sie ihr Bauchfett liebkoste. Aber es war einfach zu genussvoll, die leckeren Sachen alle zu probieren, die Barbara kochte. Ob sie wirklich absichtlich so kochte, damit sie und Sabine immer fetter wurden? Warum sollte sie? Und außerdem futterte Barbara selbst auch nicht schlecht; in letzter Zeit hatte auch sie ganz schön angesetzt. Sie alle waren dicker geworden; Barbara, Susanne, Sabine, und schließlich auch sie selbst. Natürlich hatte Sabine recht mit dem, was sie gesagt hatte. Und wenn schon, dachte Anja trotzig. Wenn sie wollte, konnte sie ja eine Diät machen.
Von draußen waren nun Stimmen zu hören, eine laute Diskussion, bei der Anja Sabines helle Stimme und Susannes dunkle, lässige Antworten erkannte. Schließlich schlug eine Tür heftig zu. Neugierig geworden, stand sie leicht seufzend auf. So ganz hatte sie die enorme Nahrungsmenge doch noch nicht verdaut, und überhaupt fielen ihr manche Bewegungen inzwischen etwas schwerer, obwohl sie das kaum realisierte. Sie zog das T-Shirt herunter, das sie nachts statt eines Schlafanzugs trug; es saß knapp über ihrem üppigen Busen und zeichnete den schwellenden, dick gewordenen Bauch ab. Ihr Bademantel ging nicht mehr richtig zu und war in den Schultern eng geworden, aber da auch Barbara und Susanne wenig Hemmungen hatte, mal mit nackten Beinen in der Wohnung herumzulaufen, störte sie das nicht, als sie in die Küche ging.
Ihre beiden Mitbewohnerinnen saßen am Küchentisch und tranken Kaffee; Susanne trug auch lediglich ein langes T-Shirt und enge Leggins, die ihr Übergewicht deutlich zeigten. Barbara war offenbar schon beim Bäcker gewesen; sie trug ein weites Sweatshirt und eine Jeans; wobei Anja bemerkte, dass sich zwei Spitzen unter dem Shirt abzeichnen, und inzwischen wusste sie nur zu gut, dass das darauf hindeutete, dass Barbara ihren Reißverschluss aufgemacht hatte. Auch ihr schienen ihre Sachen zu eng zu werden.
„Morgen Anja“, sagte Susanne und tauchte eine Schneckennudel in ihren Kaffee. „Weißt du schon das Neuste? Sabine will ausziehen.“
„Ja, hat sie mir gestern Abend schon erzählt“, nickte Anja und setzte sich, wobei ihr Bademantel weit aufklaffte und den Blick auf ihren vorquellenden Bauch freigab, über dem das T-Shirt sich jetzt im Sitzen noch mehr dehnte.
„Sie hat sogar schon was in Aussicht“, sagte Barbara. „Und Schuld daran bin ich, weil ich euch mäste. Denkst du das auch, Anja?“
„Quatsch“, sagte Anja, die ein seltsames Gefühl beschlich, als sie dieses Wort hörte. Mästen. Eine eigenwillige Wärme durchfuhr sie bei der Vorstellung, dass Barbara das vielleicht tatsächlich tat. Sie hätte entsetzt sein sollen. Statt dessen übte der Gedanke eine seltsame Faszination auf sie aus. Sie nahm sich eine Schnecke und biss ein großes Stück davon ab, während sie Barbara unverwandt ansah. „Obwohl ... neulich an dem Wochenende hast du uns drei schon ziemlich ... na ja, ermutigt, oder?“
„Euch hat's geschmeckt, dachte ich. Musste ich euch ermutigen?“
„Ein paar Mal dachte ich, dass nichts mehr reinpasst“, sagte Anja nachdenklich. „Und dann habe ich doch noch was gegessen. Als du mir den Bauch massiert hast.“
Barbara lächelte. „Das hat dir doch gefallen.“ Jetzt starrte Anja auf ihre Kaffeetasse.
„Ja“, sagte sie schließlich und sah mit einem Mal hoch. „Und weißt du was ... seitdem ...“ Sie stockte. „Seitdem werde ich überhaupt nicht mehr satt. Ich könnte dauernd essen. Bis ich mich wieder so unheimlich voll fühle wie an dem Wochenende. Vorher gebe ich keine Ruhe.“
Barbara und Susanne tauschten Blicke. „Ich kenne diesen Kick“, sagte Susanne schließlich. „Mir geht's oft auch so.“
„Du hast halt einfach deinen Appetit entdeckt“, sagte Barbara. „Iss einfach, was dir schmeckt.“
„Aber ich werde so fett.“ Anja zog den Bademantel jetzt ganz auf. „Guckt doch mal.“ Sie streckte den Bauch vor, und das T-Shirt rutschte jetzt ganz hoch. Kleine weiße Stretchmarks waren rings um den Nabel und auf dem Fettring darunter zu sehen. Barbara schätzte, dass Anja seit dem Mastwochenende vier oder fünf Kilo zugenommen hatte. Mindestens.
„Du hast echt ganz schön angesetzt“, sagte sie vorsichtig. Sie und Susanne setzten sich etwas näher an sie heran. „Aber das haben wir alle. Ist doch nicht schlimm. Es sind doch nur ein paar Kilo Speck. Ich bin auch ein bisschen zu dick.“ Sie zog jetzt ihr Sweatshirt hoch, und Anja sah, dass sie recht gehabt hatte: Die Hose ging nicht mehr zu, sondern klaffte weit auf und zeigte einen beachtlichen Speckbauch. „Siehst du?“
„Wieviel wiegst du?“ hauchte Anja, die sich nicht erklären konnte, warum sie sich schon wieder so komisch fühlte wie an dem Wochenende, als sie zwischen Susanne und Gaby gesessen und sich hemmungslos mit Dickmachern vollgestopft hatte.
„93 Kilo“, sagte Barbara. „Macht mir manchmal auch Sorgen.“ Sie griff in die Tüte mit den Kuchenteilchen. „Aber ich koche so gern, darauf könnte ich nie verzichten.“
„Und ich esse zu gern.“ Jetzt war es an Susanne, ihren Speck zu zeigen. „Klar habe ich Übergewicht, aber ich fühle mich wohl dabei.“ Sie klatschte auf ihren Bauch, und das Fett zitterte unter dem dünnen T-Shirt-Stoff. „Weißt du was, Anja? Ich finde, es ist ein Kitzel, wenn man sich so richtig voll stopft. Wie du vorhin sagtest – wenn man sich richtig überfrisst. Es ist einfach ein geiles Gefühl.“
„Dass dir das auch so geht“, raunte Anja überrascht. Ihr Atem ging schneller bei dem Gedanken.
„Stellen wir uns doch einfach den Tatsachen“, sagte Barbara. „Wir sind verfressen. Wir sind fett. Und wir lieben das.“
„Ich habe Hunger“, sagte Anja. Barbara lächelte sie an.
„Dann werde ich mal dafür sorgen, dass du heute mal wieder richtig satt wirst. Und derweil überlegen wir uns was wegen einer Nachmieterin für Sabine.“ Allen dreien war klar, dass die Wahl auf keine dünne Frau fallen würde.

Mit diesem Gespräch waren bei Anja die letzten Hemmungen gefallen, ihrer Fresslust ungezügelt nachzugeben. Sie verdrückte mittlerweile enorme Mengen und nahm immer weiter zu. Die beiden anderen sahen sie selten ohne einen Schokoriegel oder eine Tüte Chips, wenn sie in ihrem Zimmer saß und lernte. Am Abend, wenn die drei sich nach dem wie immer fett- und kalorienreichen Essen im Wohnzimmer trafen, um ein wenig fernzusehen, aß sie mindestens zwei Tüten Chips. Und die Auswirkungen auf ihren Körper waren nicht zu übersehen. Zwei vor Fett schwabbelnde Backen machten ihren Hintern aus, der inzwischen breit über die Sitzfläche der Küchenstühle hinausquoll, und ihre Schenkel waren mit Cellulite übersäte dicke Stampfer geworden, die wabbelnd aneinander rieben, wenn sie ging. Sie verfolgte die Veränderungen ihres Körpers mit eigenwilligem Interesse und war glücklich, dass sie mit ihren beiden Wohnungsgenossinnen darüber reden konnte, wie seltsam es sich anfühlte, dass ihr Wanst langsam den Kampf gegen die Schwerkraft verlor und sich eine Falte über der Scham bildete, über die er herabzuhängen begann. Nur ein wenig zunächst, aber fühlbar. Susanne zeigte ihr daraufhin, wie weit ihre eigene Wampe schon hinuntersackte, wenn sie stand. Sie saßen beide mit hochgerollten T-Shirts am Küchentisch und begannen schließlich in einer seltsamen Verschwörerlaune über die Lust am Fettwerden zu sprechen. Susanne gestand, dass es für sie faszinierend war, dass sie mittlerweile fast 140 Kilo auf die Waage brachte, und dass sie manchmal davon träumte, noch viel fetter zu werden. Anja beschloss, dass das ein gutes Stichwort war, um etwas anzusprechen, das sie seit einiger Zeit beschäftigte.
„Barbara hat gesagt, Susanne hätte ihr vorgeworfen, uns zu - mästen, weißt du noch?“ Susanne nickte. „Ich hab mir das vorgestellt ... ich meine, dass ich wirklich gemästet würde.“ Es bereitete ihr Genuss, das Wort auszusprechen. „Dass ich jeden Tag mehr essen müsste als am Tag zuvor ... so viel, bis ich fast platze ... und dass ich noch viel schneller fett würde davon.“
„Dabei hast du so schon ganz schön viel Speck angesetzt“, sagte Susanne. „Wieviel wiegst du eigentlich jetzt?“
„Keine Ahnung“, sagte Anja. „Aber bestimmt ganz schön viel.“
„Zu viel, du kleiner Mops.“
„Selbst Mops“, gab Anja zurück und grinste. Sie folgte Susanne in ihr Zimmer und stellte sich auf die Waage, wobei sie sich vorbeugen musste, um die Zahl zu sehen. Ihr stockte der Atem. „98!“ rief sie.
„Fast 100“, sagte Susanne überflüssigerweise. „Das wäre doch ein hübsches Ziel.“
„Was meinst du mit Ziel?“
Susanne legte Anja von hinten die Hände auf den vorstehenden Bauch. „Du wolltest doch ein kleines Mastschwein sein, das richtig fett gemästet wird. Lass dir doch noch zwei Kilo anmästen. Mach einen Fresstag und stopf dich mal wieder so richtig voll.“
„Ich sollte besser abnehmen“, seufzte Anja.
„Ach Quatsch. Ich hole eine Käsesahnetorte vom Bäcker, und dann isst du so viel, bis dieser Schwabbelwanst richtig prall ist.“ Sie packte Anjas Fett und vergrub ihre Finger darin. Anja schnaufte. Der Gedanke war zu verlockend.

Als Barbara am Abend zurückkam, bot sich ihr ein erregendes Bild. Anja und Susanne saßen beide in der Küche, wobei sie sich auf den Stühlen so weit wie möglich zurücklehnten, und atmeten laut und prustend. Zwischen ihnen stand ein einziges Stück Torte inmitten einer großen Schachtel, die ansonsten bis auf ein paar Krümel leer war. Susanne rieb sich den Bauch, und Anja hatte ihren prall gefüllten Leib so weit wie möglich herausgestreckt. Sie hatten eine ganze Käsesahnetorte verdrückt, und Anja fühlte sich so überfüttert, als würde sie jeden Augenblick platzen. „Ich kann nicht mehr“, schnaufte sie. Barbara lächelte.
„Ich brauche euch wirklich nicht zu mästen“, sagte sie und setzte sich neben Anja, deren Bauch sie sanft zu massieren begann. „Das erledigt ihr schon ganz von allein.“
Solche Ereignisse stärkten das Band, das sich zwischen den dreien seit Sabines Auszug entwickelt hatte. Sie waren offener geworden, was ihre Fresslust betraf, und sie genossen es, sich innerhalb ihrer Wohnung keinerlei Zwang mehr antun zu müssen. Immer mehr verzichteten sie auf einengende Kleidung; wenn Anja von der Uni kam, flog als erstes die enge Hose in die Ecke und wurde gegen eine weite Jogginghose ausgetauscht, in der sich ihr voluminöser Hintern ungehindert ausbreiten konnte. Oder sie saßen nur im Slip und im T-Shirt vor dem Fernseher und ermunterten sich gegenseitig, eine Tüte Chips nach der anderen aufzumachen. Keine von ihnen hatte Lust, diese Freiheit wieder aufzugeben, aber es war ihnen allen klar, dass sie auf lange Sicht wieder jemanden für Sabines Zimmer würden suchen müssen; sonst war die Miete einfach zu teuer.
Geeignete Frauen hatten sich noch nicht eingefunden. Eine hibbelige Zeitgeistfrau mit Kate-Moss-Figur hatte sich auf ihren Aushang am schwarzen Brett gemeldet, eine Ökofrau, die Wert auf Vollwertkost legte, und zwei Sportstudentinnen. Eines Abends, als sie wieder einmal gemütlich im Wohnzimmer saßen und mit ihren Lieblingsnaschereien die schon prall gefüllten Mägen noch mehr ausstopften, brachte Barbara das Thema wieder zur Sprache.
„Ich habe vielleicht jemanden für das Zimmer“, sagte sie unvermittelt. Susanne stöhnte. „Mecker nicht, Susi, es geht nun mal nicht anders. Oder willst du vielleicht die 400 DM jeden Monat zahlen? Die gibst du doch lieber für Torte aus.“
„Zugegeben“, sagte Susanne. „Und für neue Klamotten. Die sind nämlich mal wieder fällig. Willst du ein paar Sachen von mir haben, Anja?“ wandte sie sich an ihre Mitbewohnerin, die gerade die Reste aus einem Mövenpick-Eisbehälter kratzte. Die zog reflexhaft das knappe T-Shirt über ihre breiten Hüften. Susanne grinste. „Keine Chance, Dicki. Dein Speck sprengt auch so langsam Größe 48. Ich hab noch einiges in 50 und 52.“
„Gerne“, nickte Anja. „Ich kriege kaum noch eine Hose über meinen Hintern. Ich werde einfach –„
„- zu fett“, vollendeten Barbara und Susanne den Satz, den Anja in letzter Zeit immer öfter äußerte, ohne jedoch irgendwelche Konsequenzen daraus zu ziehen.
„Wenn ich an den Aufstand denke, den meine Mutter gemacht hat, als ich in den Ferien zu Hause war“, brummte Anja, die sich nicht gern an die prüfenden Blicke auf ihre schwellenden Rundungen erinnerte, und an die Diätvorschläge ihrer Mutter, die pausenlos auf sie eingeprasselt waren. Sie war nur zu gern wieder in ihre WG gefahren und hatte den Aufenthalt zu Hause drastisch verkürzt; angeblich, weil sie sich auf Prüfungen vorbereiten musste. „Aber wie ist das jetzt mit der Neuen, Barbara, an wen denkst du da?“
„Mich hat gestern jemand angerufen, und das klang nicht schlecht. Wochenendheimfahrer, das fand ich sehr sympathisch. Dann haben wir zumindest ein paar Tage lang hier freie Bahn. Der Vater hat eine Hotelkette, also Geld spielt auch keine Rolle. Allerdings gibt's einen kleinen Nachteil.“ Sie machte eine Pause. „Sie ist ein er.“
„Och nö“, protestierte Susanne. „Keinen Typen. Das gibt nur Ärger. Dann kann keine von uns hier mit wippendem Busen über den Flur gehen, ohne dass sie sich was überziehen muss.“
„Komm schon, Susi, der ist die wenigste Zeit da. Er studiert an so 'ner Hotelfachschule und hat dauernd irgendwelche Praktika. Der stört überhaupt nicht. Aber er zahlt. Wir können ihn doch zumindest mal angucken.“
„Wahrscheinlich so ein Lackaffe mit Trimm-Dich-Figur“, brummte Susanne. „Aber von mir aus, lade ihn ein.“


5. Teil

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