Dieses Wochenende änderte Anjas Essverhalten erneut. Die
riesigen Mengen, die sie an den drei Tagen verdrückt hatte, hatten ihren
Magen noch einmal geweitet, und ihr Appetit war entsprechend gestiegen. Die
Zeit, wo sie mit zwei Brötchen zum Frühstück zufrieden gewesen
war, lag endgültig hinter ihr. Zu den zwei Brötchen kamen meist mindestens
drei Waffeln und drei Berliner, und dann dauerte es nicht lange, bis ihr Hunger
auf Süßes sich wieder meldete und sie zu den vielen Naschereien griff,
die in der WG bereitstanden. Mittags dann eine warme Mahlzeit an der Uni, ein
paar Riegel, eine Currywurst mit Pommes am Imbiss, eine Brezel auf dem Weg zur
Bushaltestelle, dann wieder Kuchen, und abends zwei, oft drei Portionen von
Barbaras üppigen Mahlzeiten.
Sabine beobachtete diese Entwicklung recht besorgt. Anja schien richtiggehend
fressgierig geworden zu sein und sich unablässig vollzustopfen, und das
zeigte schnell Wirkung. Jetzt wurde Anja richtig fett. Eines Abends, als Sabine
spät nach Hause kam, traf sie Anja allein in der Küche an, wo sie
sich über einen Teller mit Sahnenudeln hermachte.
"Sag mal", begann Sabine vorsichtig, "meinst du nicht, du solltest
ein bisschen auf dein Gewicht achten?" Anja sah sie nicht an, sondern schob
sich einen besonders großen Löffel Nudeln in den Mund. "Ich
meine, es ist jetzt fast Mitternacht, und du hast doch sicher vorhin schon reichlich
gegessen, oder?"
"Na und?" Anja klang patzig. "Ich habe eben noch Hunger."
Sie kratzte die Soße zusammen. "Und ich mach mir noch eine Portion."
fügte sie trotzig hinzu.
"Ach komm, Anja, ich wette, dein Magen ist randvoll."
"Ich habe Hunger", wiederholte Anja, obwohl das nicht ganz stimmte.
Aber ein seltsamer Impuls brachte sie dazu, Sabine unbedingt beweisen zu wollen,
dass sie sich von ihren Vorwürfen nicht beeindrucken ließ. Aus einer
großen Schüssel füllte sie sich den Teller randvoll und schob
ihn in die Mikrowelle. Dabei schien es ihr, dass Sabines Blick auf ihrem vorquellenden
Wanst ruhte, dessen schwabbelnde Fettschicht einen in der Tat schon prallen
Magen umhüllte. Ihre Sachen passten ihr kaum noch.
"Du musst wissen, was du tust", sagte Sabine. "Wenn du meinst,
dass Susannes Fresssucht und ihr fetter Bauch so nachahmenswert sind, dann friss
meinetwegen, bis du platzt. Am besten lässt du dir ihre abgelegten Klamotten
geben und mästest dich solange, bis du reinpasst."
"Du bist gemein", sagte Anja jetzt und sah ein bisschen aus, als wollte
sie gleich losheulen. Sabine trat neben sie und legte ihr den Arm um die Schultern.
"Tut mir leid, ich hab's nicht so gemeint. In dieser WG werden wir alle
zu fett, das ist doch bei mir auch nicht anders. Ich habe schon wieder mehr
angesetzt. Das ist ja nicht deine Schuld, die anderen verführen dich ja
auch dauernd zum fressen. Ich habe das zu erst gar nicht bemerkt, als ich hier
einzog. Aber wie gesagt ... ich habe hier jetzt 25 Kilo zugenommen. Dauernd
habe ich gefressen, rund um die Uhr. Genau wie du. Aber ich will nicht so fett
werden wie Gaby und irgendwann bei jeder Treppe schnaufen wie ein Mastschwein.
Willst du eine Diät machen? fragte Anja, aber in ihrem Kopf
tauchte eine Vision auf: Sabine, um noch einen Zentner schwerer, wuchtete enorme
Speckmassen die Treppe hoch, wobei ihr Bauch wogte und wabbelte. Eine erregende
Vorstellung.
Ja, das auch. Aber nicht hier, denn das schaffe ich nicht. Barbara würde
jeden Diätversuch hintertreiben. Ich zieh aus.
Du spinnst doch, sagte Anja, die jetzt wieder zu essen begann. Dass
wir ein bisschen mehr essen, ist doch nicht Barbaras Schuld. Ich habe eben einfach
Hunger, und dir wird's wohl genauso gehen. Sie kaute mit vollen Backen.
"Oder ist sie vielleicht hier irgendwo und hat mich überredet?"
fragte sie triumphierend, wobei sie leicht schnaufte. Ihr Magen war schon recht
voll, und es kostete sie Mühe, die großen Löffel hinunterzuschlucken.
Aber dann spürte sie langsam das Gefühl, das sie seit kurzem so sehr
liebte: Der übervoll gestopfte Magen dehnte sich wie ein prall gefüllter
Sack, um die Kalorienbomben zu umfangen, und nahm ihr ein wenig die Luft. Noch
ein Löffel, und noch einer. Fast tat es ein wenig weh, die Spannung und
der Druck, das enorme Völlegefühl. Jetzt eine gute Massage und ein
Schläfchen.
"Du musst es ja wissen", sagte Sabine noch einmal. "Ich will
dir doch nur einen guten Rat geben, weil ich weiß, wie das ist und wie
diese Lust am Fressen anfängt. Irgendwann kannst du nicht mehr aufhören.
Wenn du Lust hast, können wir ja zusammen irgendwo eine Wohnung suchen.
Aber ich weiß, wenn ich hier bleibe, wiege ich irgendwann drei Zentner."
"Na und?" fragte Anja. "So viel hat Susanne doch auch bald. Ist
das so schlimm?"
Aber jetzt schüttelte Sabine den Kopf. "Dich haben sie ja schon komplett
umgedreht", seufzte sie. "Guck dich doch mal an! Sobald du zu Hause
bist, lässt du die Hosen offen stehen, weil sie dir schon zu eng sind,
und dein Hintern ist mittlerweile riesig. Die Cellulite sieht man durch die
Leggins hindurch, so schwabblig sind deine Schenkel. Du musst unbedingt was
für deinen Körper tun."
Anja war inzwischen so vollgefressen, dass sie das kaum noch hörte. Ihr
voller Bauch drückte und ließ sie immer mehr japsen, wobei sie trotzdem
immer noch einen Löffel Nudeln mit der fettigen, sahnigen Käsesauce
nach dem anderen hineinstopfte. Sie zog das T-Shirt hoch, um dem dicken Wanst
mehr Platz zu schaffen, und zeigte Sabine dabei, dass die schnelle Gewichtszunahme
noch mehr Dehnungsstreifen verursacht hatte. Sabine stand auf. "Dir ist
nicht zu helfen. Na, irgendwann merkst du wahrscheinlich auch, was los ist."
Sie zog die Tür hinter sich zu. Anja begann nun, ihren vorstehenden Bauch
zu massieren. Das tat gut. So überfressen hatte sie sich noch nie, noch
nicht einmal an dem Wochenende, dachte sie. Ihr war angenehm schwindlig, und
sie mochte es, wie sich das Fett bewegte, das sie sich mittlerweile angegessen
hatte. Aber Sabines Vorwürfe hatten doch ein seltsames Gefühl in ihr
hinterlassen.
Am nächsten Morgen erwachte sie mit dem seltsamen Brennen im Magen, das
sie öfter morgens spürte, wenn sie sich am Abend vorher so richtig
vollgestopft hatte. Der Druck, den sie beim Einschlafen gefühlt hatte,
war verschwunden, und hatte eine große Leere hinterlassen, ein enormes
Hungergefühl. Sie sehnte sich nach ein paar warmen Rosinenbrötchen,
Waffeln, oder besser noch, den Pfannkuchen, die Barbara letztens immer briet.
Träge räkelte sie sich und strich mit der Hand über ihren Bauch.
Besonders flach war er nie gewesen, aber jetzt fühlte sie selbst im Liegen,
dass sich unter ihren Brüsten eine recht pralle Rolle erhob, die dann zum
Nabel hin wieder ein wenig abfiel, um dann noch steiler anzusteigen. Sie umschloss
den dicken Speckring ihres Unterleibs mit der Hand, und es kam ihr vor, als
sei dieses Polster durch die Fressorgie vom gestrigen Abend schon gewachsen.
Sie musste aufhören, sich so zu überfressen, dachte sie, während
sie ihr Bauchfett liebkoste. Aber es war einfach zu genussvoll, die leckeren
Sachen alle zu probieren, die Barbara kochte. Ob sie wirklich absichtlich so
kochte, damit sie und Sabine immer fetter wurden? Warum sollte sie? Und außerdem
futterte Barbara selbst auch nicht schlecht; in letzter Zeit hatte auch sie
ganz schön angesetzt. Sie alle waren dicker geworden; Barbara, Susanne,
Sabine, und schließlich auch sie selbst. Natürlich hatte Sabine recht
mit dem, was sie gesagt hatte. Und wenn schon, dachte Anja trotzig. Wenn sie
wollte, konnte sie ja eine Diät machen.
Von draußen waren nun Stimmen zu hören, eine laute Diskussion, bei
der Anja Sabines helle Stimme und Susannes dunkle, lässige Antworten erkannte.
Schließlich schlug eine Tür heftig zu. Neugierig geworden, stand
sie leicht seufzend auf. So ganz hatte sie die enorme Nahrungsmenge doch noch
nicht verdaut, und überhaupt fielen ihr manche Bewegungen inzwischen etwas
schwerer, obwohl sie das kaum realisierte. Sie zog das T-Shirt herunter, das
sie nachts statt eines Schlafanzugs trug; es saß knapp über ihrem
üppigen Busen und zeichnete den schwellenden, dick gewordenen Bauch ab.
Ihr Bademantel ging nicht mehr richtig zu und war in den Schultern eng geworden,
aber da auch Barbara und Susanne wenig Hemmungen hatte, mal mit nackten Beinen
in der Wohnung herumzulaufen, störte sie das nicht, als sie in die Küche
ging.
Ihre beiden Mitbewohnerinnen saßen am Küchentisch und tranken Kaffee;
Susanne trug auch lediglich ein langes T-Shirt und enge Leggins, die ihr Übergewicht
deutlich zeigten. Barbara war offenbar schon beim Bäcker gewesen; sie trug
ein weites Sweatshirt und eine Jeans; wobei Anja bemerkte, dass sich zwei Spitzen
unter dem Shirt abzeichnen, und inzwischen wusste sie nur zu gut, dass das darauf
hindeutete, dass Barbara ihren Reißverschluss aufgemacht hatte. Auch ihr
schienen ihre Sachen zu eng zu werden.
Morgen Anja, sagte Susanne und tauchte eine Schneckennudel in ihren
Kaffee. Weißt du schon das Neuste? Sabine will ausziehen.
Ja, hat sie mir gestern Abend schon erzählt, nickte Anja und
setzte sich, wobei ihr Bademantel weit aufklaffte und den Blick auf ihren vorquellenden
Bauch freigab, über dem das T-Shirt sich jetzt im Sitzen noch mehr dehnte.
Sie hat sogar schon was in Aussicht, sagte Barbara. Und Schuld
daran bin ich, weil ich euch mäste. Denkst du das auch, Anja?
Quatsch, sagte Anja, die ein seltsames Gefühl beschlich, als
sie dieses Wort hörte. Mästen. Eine eigenwillige Wärme durchfuhr
sie bei der Vorstellung, dass Barbara das vielleicht tatsächlich tat. Sie
hätte entsetzt sein sollen. Statt dessen übte der Gedanke eine seltsame
Faszination auf sie aus. Sie nahm sich eine Schnecke und biss ein großes
Stück davon ab, während sie Barbara unverwandt ansah. Obwohl
... neulich an dem Wochenende hast du uns drei schon ziemlich ... na ja, ermutigt,
oder?
Euch hat's geschmeckt, dachte ich. Musste ich euch ermutigen?
Ein paar Mal dachte ich, dass nichts mehr reinpasst, sagte Anja
nachdenklich. Und dann habe ich doch noch was gegessen. Als du mir den
Bauch massiert hast.
Barbara lächelte. Das hat dir doch gefallen. Jetzt starrte
Anja auf ihre Kaffeetasse.
Ja, sagte sie schließlich und sah mit einem Mal hoch. Und
weißt du was ... seitdem ... Sie stockte. Seitdem werde ich
überhaupt nicht mehr satt. Ich könnte dauernd essen. Bis ich mich
wieder so unheimlich voll fühle wie an dem Wochenende. Vorher gebe ich
keine Ruhe.
Barbara und Susanne tauschten Blicke. Ich kenne diesen Kick, sagte
Susanne schließlich. Mir geht's oft auch so.
Du hast halt einfach deinen Appetit entdeckt, sagte Barbara. Iss
einfach, was dir schmeckt.
Aber ich werde so fett. Anja zog den Bademantel jetzt ganz auf.
Guckt doch mal. Sie streckte den Bauch vor, und das T-Shirt rutschte
jetzt ganz hoch. Kleine weiße Stretchmarks waren rings um den Nabel und
auf dem Fettring darunter zu sehen. Barbara schätzte, dass Anja seit dem
Mastwochenende vier oder fünf Kilo zugenommen hatte. Mindestens.
Du hast echt ganz schön angesetzt, sagte sie vorsichtig. Sie
und Susanne setzten sich etwas näher an sie heran. Aber das haben
wir alle. Ist doch nicht schlimm. Es sind doch nur ein paar Kilo Speck. Ich
bin auch ein bisschen zu dick. Sie zog jetzt ihr Sweatshirt hoch, und
Anja sah, dass sie recht gehabt hatte: Die Hose ging nicht mehr zu, sondern
klaffte weit auf und zeigte einen beachtlichen Speckbauch. Siehst du?
Wieviel wiegst du? hauchte Anja, die sich nicht erklären konnte,
warum sie sich schon wieder so komisch fühlte wie an dem Wochenende, als
sie zwischen Susanne und Gaby gesessen und sich hemmungslos mit Dickmachern
vollgestopft hatte.
93 Kilo, sagte Barbara. Macht mir manchmal auch Sorgen.
Sie griff in die Tüte mit den Kuchenteilchen. Aber ich koche so gern,
darauf könnte ich nie verzichten.
Und ich esse zu gern. Jetzt war es an Susanne, ihren Speck zu zeigen.
Klar habe ich Übergewicht, aber ich fühle mich wohl dabei.
Sie klatschte auf ihren Bauch, und das Fett zitterte unter dem dünnen T-Shirt-Stoff.
Weißt du was, Anja? Ich finde, es ist ein Kitzel, wenn man sich
so richtig voll stopft. Wie du vorhin sagtest wenn man sich richtig überfrisst.
Es ist einfach ein geiles Gefühl.
Dass dir das auch so geht, raunte Anja überrascht. Ihr Atem
ging schneller bei dem Gedanken.
Stellen wir uns doch einfach den Tatsachen, sagte Barbara. Wir
sind verfressen. Wir sind fett. Und wir lieben das.
Ich habe Hunger, sagte Anja. Barbara lächelte sie an.
Dann werde ich mal dafür sorgen, dass du heute mal wieder richtig
satt wirst. Und derweil überlegen wir uns was wegen einer Nachmieterin
für Sabine. Allen dreien war klar, dass die Wahl auf keine dünne
Frau fallen würde.
Mit diesem Gespräch waren bei Anja die letzten Hemmungen gefallen, ihrer
Fresslust ungezügelt nachzugeben. Sie verdrückte mittlerweile enorme
Mengen und nahm immer weiter zu. Die beiden anderen sahen sie selten ohne einen
Schokoriegel oder eine Tüte Chips, wenn sie in ihrem Zimmer saß und
lernte. Am Abend, wenn die drei sich nach dem wie immer fett- und kalorienreichen
Essen im Wohnzimmer trafen, um ein wenig fernzusehen, aß sie mindestens
zwei Tüten Chips. Und die Auswirkungen auf ihren Körper waren nicht
zu übersehen. Zwei vor Fett schwabbelnde Backen machten ihren Hintern aus,
der inzwischen breit über die Sitzfläche der Küchenstühle
hinausquoll, und ihre Schenkel waren mit Cellulite übersäte dicke
Stampfer geworden, die wabbelnd aneinander rieben, wenn sie ging. Sie verfolgte
die Veränderungen ihres Körpers mit eigenwilligem Interesse und war
glücklich, dass sie mit ihren beiden Wohnungsgenossinnen darüber reden
konnte, wie seltsam es sich anfühlte, dass ihr Wanst langsam den Kampf
gegen die Schwerkraft verlor und sich eine Falte über der Scham bildete,
über die er herabzuhängen begann. Nur ein wenig zunächst, aber
fühlbar. Susanne zeigte ihr daraufhin, wie weit ihre eigene Wampe schon
hinuntersackte, wenn sie stand. Sie saßen beide mit hochgerollten T-Shirts
am Küchentisch und begannen schließlich in einer seltsamen Verschwörerlaune
über die Lust am Fettwerden zu sprechen. Susanne gestand, dass es für
sie faszinierend war, dass sie mittlerweile fast 140 Kilo auf die Waage brachte,
und dass sie manchmal davon träumte, noch viel fetter zu werden. Anja beschloss,
dass das ein gutes Stichwort war, um etwas anzusprechen, das sie seit einiger
Zeit beschäftigte.
Barbara hat gesagt, Susanne hätte ihr vorgeworfen, uns zu - mästen,
weißt du noch? Susanne nickte. Ich hab mir das vorgestellt
... ich meine, dass ich wirklich gemästet würde. Es bereitete
ihr Genuss, das Wort auszusprechen. Dass ich jeden Tag mehr essen müsste
als am Tag zuvor ... so viel, bis ich fast platze ... und dass ich noch viel
schneller fett würde davon.
Dabei hast du so schon ganz schön viel Speck angesetzt, sagte
Susanne. Wieviel wiegst du eigentlich jetzt?
Keine Ahnung, sagte Anja. Aber bestimmt ganz schön viel.
Zu viel, du kleiner Mops.
Selbst Mops, gab Anja zurück und grinste. Sie folgte Susanne
in ihr Zimmer und stellte sich auf die Waage, wobei sie sich vorbeugen musste,
um die Zahl zu sehen. Ihr stockte der Atem. 98! rief sie.
Fast 100, sagte Susanne überflüssigerweise. Das
wäre doch ein hübsches Ziel.
Was meinst du mit Ziel?
Susanne legte Anja von hinten die Hände auf den vorstehenden Bauch. Du
wolltest doch ein kleines Mastschwein sein, das richtig fett gemästet wird.
Lass dir doch noch zwei Kilo anmästen. Mach einen Fresstag und stopf dich
mal wieder so richtig voll.
Ich sollte besser abnehmen, seufzte Anja.
Ach Quatsch. Ich hole eine Käsesahnetorte vom Bäcker, und dann
isst du so viel, bis dieser Schwabbelwanst richtig prall ist. Sie packte
Anjas Fett und vergrub ihre Finger darin. Anja schnaufte. Der Gedanke war zu
verlockend.
Als Barbara am Abend zurückkam, bot sich ihr ein erregendes Bild. Anja
und Susanne saßen beide in der Küche, wobei sie sich auf den Stühlen
so weit wie möglich zurücklehnten, und atmeten laut und prustend.
Zwischen ihnen stand ein einziges Stück Torte inmitten einer großen
Schachtel, die ansonsten bis auf ein paar Krümel leer war. Susanne rieb
sich den Bauch, und Anja hatte ihren prall gefüllten Leib so weit wie möglich
herausgestreckt. Sie hatten eine ganze Käsesahnetorte verdrückt, und
Anja fühlte sich so überfüttert, als würde sie jeden Augenblick
platzen. Ich kann nicht mehr, schnaufte sie. Barbara lächelte.
Ich brauche euch wirklich nicht zu mästen, sagte sie und setzte
sich neben Anja, deren Bauch sie sanft zu massieren begann. Das erledigt
ihr schon ganz von allein.
Solche Ereignisse stärkten das Band, das sich zwischen den dreien seit
Sabines Auszug entwickelt hatte. Sie waren offener geworden, was ihre Fresslust
betraf, und sie genossen es, sich innerhalb ihrer Wohnung keinerlei Zwang mehr
antun zu müssen. Immer mehr verzichteten sie auf einengende Kleidung; wenn
Anja von der Uni kam, flog als erstes die enge Hose in die Ecke und wurde gegen
eine weite Jogginghose ausgetauscht, in der sich ihr voluminöser Hintern
ungehindert ausbreiten konnte. Oder sie saßen nur im Slip und im T-Shirt
vor dem Fernseher und ermunterten sich gegenseitig, eine Tüte Chips nach
der anderen aufzumachen. Keine von ihnen hatte Lust, diese Freiheit wieder aufzugeben,
aber es war ihnen allen klar, dass sie auf lange Sicht wieder jemanden für
Sabines Zimmer würden suchen müssen; sonst war die Miete einfach zu
teuer.
Geeignete Frauen hatten sich noch nicht eingefunden. Eine hibbelige Zeitgeistfrau
mit Kate-Moss-Figur hatte sich auf ihren Aushang am schwarzen Brett gemeldet,
eine Ökofrau, die Wert auf Vollwertkost legte, und zwei Sportstudentinnen.
Eines Abends, als sie wieder einmal gemütlich im Wohnzimmer saßen
und mit ihren Lieblingsnaschereien die schon prall gefüllten Mägen
noch mehr ausstopften, brachte Barbara das Thema wieder zur Sprache.
Ich habe vielleicht jemanden für das Zimmer, sagte sie unvermittelt.
Susanne stöhnte. Mecker nicht, Susi, es geht nun mal nicht anders.
Oder willst du vielleicht die 400 DM jeden Monat zahlen? Die gibst du doch lieber
für Torte aus.
Zugegeben, sagte Susanne. Und für neue Klamotten. Die
sind nämlich mal wieder fällig. Willst du ein paar Sachen von mir
haben, Anja? wandte sie sich an ihre Mitbewohnerin, die gerade die Reste
aus einem Mövenpick-Eisbehälter kratzte. Die zog reflexhaft das knappe
T-Shirt über ihre breiten Hüften. Susanne grinste. Keine Chance,
Dicki. Dein Speck sprengt auch so langsam Größe 48. Ich hab noch
einiges in 50 und 52.
Gerne, nickte Anja. Ich kriege kaum noch eine Hose über
meinen Hintern. Ich werde einfach
- zu fett, vollendeten Barbara und Susanne den Satz, den Anja in
letzter Zeit immer öfter äußerte, ohne jedoch irgendwelche Konsequenzen
daraus zu ziehen.
Wenn ich an den Aufstand denke, den meine Mutter gemacht hat, als ich
in den Ferien zu Hause war, brummte Anja, die sich nicht gern an die prüfenden
Blicke auf ihre schwellenden Rundungen erinnerte, und an die Diätvorschläge
ihrer Mutter, die pausenlos auf sie eingeprasselt waren. Sie war nur zu gern
wieder in ihre WG gefahren und hatte den Aufenthalt zu Hause drastisch verkürzt;
angeblich, weil sie sich auf Prüfungen vorbereiten musste. Aber wie
ist das jetzt mit der Neuen, Barbara, an wen denkst du da?
Mich hat gestern jemand angerufen, und das klang nicht schlecht. Wochenendheimfahrer,
das fand ich sehr sympathisch. Dann haben wir zumindest ein paar Tage lang hier
freie Bahn. Der Vater hat eine Hotelkette, also Geld spielt auch keine Rolle.
Allerdings gibt's einen kleinen Nachteil. Sie machte eine Pause. Sie
ist ein er.
Och nö, protestierte Susanne. Keinen Typen. Das gibt
nur Ärger. Dann kann keine von uns hier mit wippendem Busen über den
Flur gehen, ohne dass sie sich was überziehen muss.
Komm schon, Susi, der ist die wenigste Zeit da. Er studiert an so 'ner
Hotelfachschule und hat dauernd irgendwelche Praktika. Der stört überhaupt
nicht. Aber er zahlt. Wir können ihn doch zumindest mal angucken.
Wahrscheinlich so ein Lackaffe mit Trimm-Dich-Figur, brummte Susanne.
Aber von mir aus, lade ihn ein.